Montag, 20. Januar 2014

Uvita – I sleep until the monkey cries



 Seit über einer Woche bin ich nun in dem kleinen Städtchen Uvita, im Süden Costa Ricas. Von der familiär behüteten, komfortablen Villa in San José mit den drei putzigen, aufgeweckten Schleifchen tragenden Yorkshire Terriern direkt ab in den Dschungel zu Kater Chop Suey und seiner bunt gemixten Patchworkfamilie, wo ich täglich um 5 Uhr von lautem Affengeschrei geweckt werde. 
Ich arbeite hier an einer Bar, die am Eingang eines Wasserfalls liegt, kassiere Eintrittsgeld, mache Fruchtsäfte, verkaufe Cervezas, unterhalte Gäste und versuche, mit dem Sprachchaos aus Spanisch, Englisch und Deutsch klarzukommen. Ich wohne hier mit den zwei Leitern, einer Costa Ricanerin und einem Spanier, deren Freundinnen und dem bereits erwähnten Kater, relativ abgeschnitten vom Zentrum, umgeben von Bäumen und Wasserfällen. Das hat den Vorteil, dass ich das Glück habe, stets – sowohl von meiner Matratze aus, als auch beim Zähneputzen – den Anblick purer Natur genießen kann und zudem gezwungen bin, an meinen durchaus ausbaufähigen Spanischkenntnissen zu feilen, aber auch den Nachteil, dass ich arbeitsbedingt ziemlich an diesen Ort gebunden bin. Ich arbeite fünf Tage die Woche, viermal von 11.30-16.30 (also laut Papier), wobei ich davor und danach nicht viel machen kann, da es bereits gegen 18 Uhr stockdunkel ist und sich das Leben dadurch hier eher tagsüber abspielt. Sonntags arbeite ich rund um die Uhr und zwei Tage darf ich meiner Freizeit widmen. Ganz eingespielt hat sich das ganze noch nicht (so wie es meistens ist, wenn man an dem Ort wohnt, wo man auch arbeitet), zumal mir am Samstag (11.1.), meinem ersten Arbeitstag, gleich eröffnet wurde, dass die ganze Truppe gegen 16 Uhr für einen Ausflug aufbrechen werde und erst am Sonntagnachmittag (-> daraus wurde Montagmittag) zurückkäme. Da wurden meine fehlenden Sprach- und Gastronomiekenntnisse sofort auf eine harte Probe gestellt. 

Hier arbeite ich

            
 








Meine Terrasse mit Dschungelblick
Sonntags kam ich mit ein paar Gästen in Kontakt, die mich mit in ihr Hostel nahmen, und sah bzw. spürte am späten Abend das erste Mal den lang ersehnten Strand. Ein deutschstämmiger Kanadier blieb länger als erwartet und mit ihm und seinen Bekannten verbrachte ich auch meine folgenden freien Tage, an denen ich endlich Zeit für „Pura Vida“ hatte: Sprünge von den Felsen des Wasserfalls, erste Surfversuche im Meer, Rum und Wassermelone am Strand, gemeinsames Kochen im Hostel, Hängematten, nette und interessante Gespräche mit ebensolchen Menschen, unbeabsichtigtes Schlammbaden und Verlust jeglichen Zeitgefühls. 

Die Arbeit und das Leben hier am Wasserfall ist nicht immer leicht – gerade während der Zeit, die ich mit den anderen Reisenden verbracht habe, habe ich mir gedacht, dass ein Leben im Hostel, mit ständiger Ablenkung und Unterhaltung, um einiges leichter wäre. Viele haben mich zudem gefragt, warum ich die ganze Arbeit freiwillig mache und nicht lieber nach unten an den Strand ziehe. Aber neben solch logischen Stichpunkten wie Finanzen, Spanisch und Natur merke ich, dass ich hier auch irgendwie zur Ruhe komme. „Tranquila, tranquila“ sagt mir meine Arbeitskollegin immer wieder, wenn ich wieder mal hektisch werde oder mir übertrieben Sorgen mache. Und es scheint zu wirken. Jeden Tag nehme ich mir vor, einen Reiseplan für die nächste Zeit zu entwerfen, aber noch zieht es mich scheinbar irgendwie noch gar nicht weg. Noch genieße ich den lauten Dschungel und seine Bewohner. Und zum Glück gibt es ja auch hier immer wieder Ablenkung: Gäste jeder Nation und jeden Schlags, Full-Moon-Partys und Flunkyball, Fitnesstraining mit Private Coach am Wasserfall, Skypegespräche oder Besuch meines französischen Nachbars in seinen nichtexistenten vier Wänden mit iPod, Mundharmonika und Bier. Tranquila, tranquila… noch habe ich Zeit und Muse, die Momente zu genießen, in denen es mir gut geht und die Momente auszuhalten, wo ich kurz hinterfrage, ob ich die richtigen Entscheidungen treffe. Und noch habe ich Zeit, Costa Rica zu entdecken und mein „Pura Vida“ zu finden.



Playa de Uvita

Flunkyball im Dschungel

Hamakas im Flutterby Hostel




2 Kommentare: