Freitag, 13. März 2015

Envision: Von Sonnenuntergangsgesängen am Strand und Sonnenaufgangsseifenblasen im Dschungel



23. Februar
Ich sitze im Bus nach Uvita, bin seit 11 Stunden unterwegs, erschöpft und habe, wie so oft, keinen genauen Plan, was mich am Ziel erwarten wird. Ich ärgere mich, dass ich nicht besser vorbereitet bin und wünschte gerade, ich wäre Pauschaltourist, auf den ein Shuttlebus warten würde, der einen Richtung Bett und Dusche brächte. Stattdessen sitze ich hier, erreiche keinen der notierten Kontaktnummern des Festivals und weiß nicht, wo und ob ich überhaupt um diese Zeit noch Einlass bekommen werde würde. Die Erinnerungen an unsere etwas problematische Ankunft in Uvita im letzten Jahr machen mich etwas nervös, zudem ich nun allein unterwegs bin. Aber ich bleibe zuversichtlich.


24. Feburar


Mittlerweile liege ich am Strand von Uvita, wo vor einem Jahr Duzende zusammen tanzten, feierten, sangen, lachten. Im Moment ist es ruhig, die Ruhe vor dem Sturm, während in mir immer noch Unruhe herrscht. Nach 12 ½ Stunden wurde ich vom Busfahrer auf gut Glück irgendwo zwischen Dominical und Uvita rausgelassen. Zwei Mädchen aus den USA und ein Tico, Diego, folgten mir. Per Hitchhike fanden wir nach einiger Zeit den Eingang für „Volunteers“, wo uns erstmal auch keiner weiterhelfen konnte. Irgendwann haben wir es aber dann doch geschafft und ich bekam für die ersten Tage Asyl in Diegos Zelt (muchas gracias!!!). Meine Unruhe resultiert aus der Ungewissheit, was mich erwarten wird, aus der Unklarheit, wer mir überhaupt weiterhelfen kann. Im Grunde also aus unbegründeter Nervosität und Ungeduld. In wenigen Stunden beginnt meine erste Schicht. Warum also nicht einfach diese Ruhe genießen?

Das waren sie, die zwei Tage Liveticker aus Milenas Gedankenspielen. Ab jetzt beginnt die Zusammenfassung der emotionalen Hochs und Tiefs, der körperlichen Grenzen, der Gedanken und Gefühle, des Erlernten und der Erkenntnisse einer Woche „Envision“.
Ein Festival entsteht
Ich arbeite im „Eco Team“, viermal je sechs Stunden. Ich arbeite von Dienstag bis Donnerstag, mit einer Doppelschicht, sodass ich pünktlich zum Festivalbeginn Freizeit habe. Wir sind dafür verantwortlich, das Festivalgelände sauber zu halten und die Besucher aufzuklären, dies auch zu tun. Ich baue die Recyclingcontainer auf, male diverse Hinweisschilder, sammle Müll und kläre die Leute  über angemessenen Wasserverbrauch und Komposttoilettenbenutzung („Don´t pee, just poo!“) auf. An einem Abend werde ich vom „Building Team“ ausgeliehen und helfe, eine Kletterpyramide aus Bambus zu bauen. Die Arbeit ist hart, aber macht Spaß. Ich fühle, dass ich etwas Wichtiges tue und einen Beitrag leisten kann. Man dankt mir, während ich im Müll wühle oder Bambusstäbe lifte und der Sinn meiner Tätigkeit  gibt mir ein positives Gefühl. Es ist toll zu sehen, wie das Festival nach und nach entsteht.

Es wird rund um die Uhr gearbeitet, die Bühnen werden nachts gebaut und innerhalb weniger Stunden, kurz vor Ankunft der „Early Bird Ticket Inhaber“, die restlichen Feinschliffe vollbracht. Schon vor Festivalbeginn bin ich erschöpft – zu wenig Schlaf aufgrund der Unmöglichkeit, früh schlafen zu gehen, wenn man arbeiten muss oder in Gespräche vertieft die Zeit vergisst und aufgrund der Unmöglichkeit, lange zu schlafen, wenn man arbeiten muss oder die Sonne unerbittlich das Zelt in eine Sauna verwandelt. Donnerstag um acht endet meine letzte Schicht, ich habe meine erste und einzige Dusche auf dem Festivalgelände (fortan herrscht Wassermangel), Sue und Erick, den ich letztes Jahr hier kennengelernt habe, kommen an und das Festivalleben beginnt.  

Und das kosten wir voll aus – Yogastunden, Tantraworkshop, schamanische Gesänge am Lagerfeuer, Sonnenuntergangszelebrationen am Strand und natürlich Tanzen und Feiern bis zum Sonnenaufgang. Die Energie, die Envision erzeugt, ist überragend. Schon im letzten Jahr war ich begeistert, dieses Jahr spüre ich sie noch stärker. Mein Körper ist gegen Ende erschöpft, aber die Energie trägt mich und ich fühle mich glücklich und wünsche mir nur, dieses Gefühl im alltäglichen Leben aufrechthalten zu können. Ich bin dankbar für diese Erfahrung, dankbar, all diese wundervollen Leute kennenlernen zu dürfen, dankbar für das Gefühl, ein liebenswerter Mensch zu sein, der gemocht werden darf.










Am Strand...
... und mit 5996 anderen
... mit Galen, Sue und Erick

 











Party @ Night

... mit Sabrina, Sue und Erick

 
 



... und bei Sonnenaufgang





Bis Montagmorgen feiern wir durch. Die Feier endet mit einer großen Gruppenumarmung vor der Bühne. Kurz danach gibt mein Körper nach, ich werde krank. Das Resultat von zu wenig Schlaf und scheinbar schlechtem Wasser, das ich anfangs getrunken habe.


 Sue und ich begleiten Erick nach Jaco, wo er beruflich zu tun hat. Ich bin froh, mich erholen zu können und zwei wundervolle Menschen um mich zu haben, die sich um mich kümmern.
Nach zwei Tagen geht es weiter nach Cahuita, wo ich Terry und die restlichen Leute besuchen will, die ich im letzten Jahr kennengelernt habe. Nach einer Woche Antibiotika geht es mir langsam besser. Ich genieße meine Zeit, freue mich, wieder an dem Ort zu sein, den ich zu lieben gelernt habe und ihn mit Sue und Erick teilen zu können.

Erholung nach Envision

Wellness in Jaco...


 











Pura Vida in Cahuita...

Privates Candlelightdinner




Playa Negra
 









A bissl Training...
 









Nationalpark Cahuita - Playa Blanca

 






















Enjoying wildlife








 


Love you, guys!!! Thank you for everything!!!



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