
23. Februar
Ich sitze im Bus nach Uvita, bin
seit 11 Stunden unterwegs, erschöpft und habe, wie so oft, keinen genauen Plan,
was mich am Ziel erwarten wird. Ich ärgere mich, dass ich nicht besser
vorbereitet bin und wünschte gerade, ich wäre Pauschaltourist, auf den ein
Shuttlebus warten würde, der einen Richtung Bett und Dusche brächte.
Stattdessen sitze ich hier, erreiche keinen der notierten Kontaktnummern des
Festivals und weiß nicht, wo und ob ich überhaupt um diese Zeit noch Einlass
bekommen werde würde. Die Erinnerungen an unsere etwas problematische Ankunft
in Uvita im letzten Jahr machen mich etwas nervös, zudem ich nun allein
unterwegs bin. Aber ich bleibe zuversichtlich.
24. Feburar

Mittlerweile liege ich am Strand
von Uvita, wo vor einem Jahr Duzende zusammen tanzten, feierten, sangen,
lachten. Im Moment ist es ruhig, die Ruhe vor dem Sturm, während in mir immer
noch Unruhe herrscht. Nach 12 ½ Stunden wurde ich vom Busfahrer auf gut Glück
irgendwo zwischen Dominical und Uvita rausgelassen. Zwei Mädchen aus den USA
und ein Tico, Diego, folgten mir. Per Hitchhike fanden wir nach einiger Zeit
den Eingang für „Volunteers“, wo uns erstmal auch keiner weiterhelfen konnte.
Irgendwann haben wir es aber dann doch geschafft und ich bekam für die ersten
Tage Asyl in Diegos Zelt (muchas gracias!!!). Meine Unruhe resultiert aus der
Ungewissheit, was mich erwarten wird, aus der Unklarheit, wer mir überhaupt
weiterhelfen kann. Im Grunde also aus unbegründeter Nervosität und Ungeduld. In
wenigen Stunden beginnt meine erste Schicht. Warum also nicht einfach diese
Ruhe genießen?
Das waren sie, die zwei Tage
Liveticker aus Milenas Gedankenspielen. Ab jetzt beginnt die Zusammenfassung
der emotionalen Hochs und Tiefs, der körperlichen Grenzen, der Gedanken und
Gefühle, des Erlernten und der Erkenntnisse einer Woche „Envision“.
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| Ein Festival entsteht |

Ich arbeite im „Eco Team“,
viermal je sechs Stunden. Ich arbeite von Dienstag bis Donnerstag, mit einer
Doppelschicht, sodass ich pünktlich zum Festivalbeginn Freizeit habe. Wir sind
dafür verantwortlich, das Festivalgelände sauber zu halten und die Besucher aufzuklären,
dies auch zu tun. Ich baue die Recyclingcontainer auf, male diverse
Hinweisschilder, sammle Müll und kläre die Leute
über angemessenen Wasserverbrauch und
Komposttoilettenbenutzung („Don´t pee, just poo!“) auf. An einem Abend werde
ich vom „Building Team“ ausgeliehen und helfe, eine Kletterpyramide aus Bambus
zu bauen. Die Arbeit ist hart, aber macht Spaß. Ich fühle, dass ich etwas
Wichtiges tue und einen Beitrag leisten kann. Man dankt mir, während ich im
Müll wühle oder Bambusstäbe lifte und der Sinn meiner Tätigkeit
gibt mir ein positives Gefühl. Es ist toll zu
sehen, wie das Festival nach und nach entsteht.

Es wird rund um die Uhr
gearbeitet, die Bühnen werden nachts gebaut und innerhalb weniger Stunden, kurz
vor Ankunft der „Early Bird Ticket Inhaber“, die restlichen Feinschliffe
vollbracht. Schon vor Festivalbeginn bin ich erschöpft – zu wenig Schlaf
aufgrund der Unmöglichkeit, früh schlafen zu gehen, wenn man arbeiten muss oder
in Gespräche vertieft die Zeit vergisst und aufgrund der Unmöglichkeit, lange
zu schlafen, wenn man arbeiten muss oder die Sonne unerbittlich das Zelt in
eine Sauna verwandelt. Donnerstag um acht endet meine letzte Schicht, ich habe
meine erste und einzige Dusche auf dem Festivalgelände (fortan herrscht
Wassermangel), Sue und Erick, den ich letztes Jahr hier kennengelernt habe,
kommen an und das Festivalleben beginnt.


Und das kosten wir voll aus –
Yogastunden, Tantraworkshop, schamanische Gesänge am Lagerfeuer,
Sonnenuntergangszelebrationen am Strand und natürlich Tanzen und Feiern bis zum
Sonnenaufgang. Die Energie, die Envision erzeugt, ist überragend. Schon im
letzten Jahr war ich begeistert, dieses Jahr spüre ich sie noch stärker. Mein
Körper ist gegen Ende erschöpft, aber die Energie trägt mich und ich fühle mich
glücklich und wünsche mir nur, dieses Gefühl im alltäglichen Leben
aufrechthalten zu können. Ich bin dankbar für diese Erfahrung, dankbar, all
diese wundervollen Leute kennenlernen zu dürfen, dankbar für das Gefühl, ein liebenswerter
Mensch zu sein, der gemocht werden darf.
Am Strand...
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| ... und mit 5996 anderen |
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| ... mit Galen, Sue und Erick |
Party @ Night
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| ... mit Sabrina, Sue und Erick |

... und bei Sonnenaufgang

Bis Montagmorgen feiern wir
durch. Die Feier endet mit einer großen Gruppenumarmung vor der Bühne. Kurz
danach gibt mein Körper nach, ich werde krank. Das Resultat von zu wenig Schlaf
und scheinbar schlechtem Wasser, das ich anfangs getrunken habe.
Sue und ich begleiten
Erick nach Jaco, wo er beruflich zu tun hat. Ich bin froh, mich erholen zu
können und zwei wundervolle Menschen um mich zu haben, die sich um mich
kümmern.
Nach zwei Tagen geht es weiter
nach Cahuita, wo ich Terry und die restlichen Leute besuchen will, die ich im
letzten Jahr kennengelernt habe. Nach einer Woche Antibiotika geht es mir
langsam besser. Ich genieße meine Zeit, freue mich, wieder an dem Ort zu sein, den
ich zu lieben gelernt habe und ihn mit Sue und Erick teilen zu können.
Erholung nach Envision
Wellness in Jaco...

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