Nach
unserem kleinen Abstecher zur Monkeyfarm setzen Sue und ich Anfang März unsere
Reise fort; wir wollen die Halbinsel Nicoya bis nach Montezuma erkundigen. Wir
wissen von den schlechten Verkehrsverbindungen und ignorieren jede Warnung, wie
schwierig eine Weiterreise sei und fahren erst einmal nach Sámara zu
Couchsurfer Vincente und … bleiben dort. Aus ein bis zwei Tagen Pause werden
für mich sechs. Und wer weiß, wie lang ich geblieben wäre, wenn das Schicksal
sich nicht wieder eingemischt hätte…
Die
Fahrt per Anhalter und Bus nach Sámara war schnell und unkompliziert. Sámara
ist eine kleine, nette Stadt mit vielen, netten Leuten, die sich alle zu kennen
scheinen. Nach Smoothie am Strand, begleitet von einem kurzen Erdbeben,
erreichen wir Vincentes Haus und ich merke sofort: Ich möchte das auch! Ich
möchte das kleine Häuschen im Wald mit den blauen Fensterläden, der bunten
Schaukel und dem zukünftig als Zimmer fungierenden VW Bus im Garten. Ich möchte
ein Haus, das offen für Freunde, Freundesfreunde und zukünftige Freunde ist.
Ich fühle mich wohl in Sámara und genieße das unkomplizierte
Sich-treiben-lassen. Wir beginnen unsere Tage mit morgendlichem Yoga am Strand
und misslungenen Surfversuchen, genießen Sonnenunterhänge, nutzen die Zeit zum
Schreiben und Reflektieren der letzten Wochen, feiern und grillen zusammen und
trinken allerlei Piña Colada.
Fühle ich mich untätig, helfe ich spontan bei Edgar´s Obststand an der Straße
um die Ecke (Obst als Bezahlung, what a job!) oder bemale Vincentes Zaun.
Das
Leben erscheint einfach, alles möglich, doch mir wird auch bewusst, dass ich
nur noch einen Monat in diesem wundervollen Land habe, von dem ich noch so viel
zu erkundigen habe. Und ich werde nervös. Ich verschiebe meine Abreise täglich
auf den nächsten Tag, immer überzeugt, den Absprung zu schaffen. Doch ich
bleibe. Und plötzlich will auch die anfänglich treibende Kraft, Sue, nicht mehr
nach Montezuma, sondern gleich von Sámara aus nach San José fahren. Dennoch
packe ich eines Tages erneut meine Siebensachen, überzeugt, am nächsten Morgen
weiterzureisen. Abends sind wir zum Grillfest bei Thomas, aufstrebendem
Hostelbesitzer, eingeladen und meine Überzeugung der Weiterreise wird wieder
löchrig. Doch dann erzählen mir vier argentinische Jungs, dass sie am nächsten
Tag per Auto nach Montezuma fahren würden und einen freien Platz für mich
hätten. Und so hatte ich es endlich geschafft… Mit einem lachenden und einem
weinenden Auge.
La casa Vincente...
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| Unser Zimmer |
Relaxen und arbeiten am Strand
A bissl Sport und Pseudo-Sport
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| Das wird wohl nix... |
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| Warum anstrengen, wenn man auch entspannen kann... |
Sonnenuntergang am Playa Bellavista

Und ab und an etwas Arbeit
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| Obstverkauf an Edgar´s Obststand |
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| Mit Pinsel und Farbe... |
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| Der Roadtrip beginnt |
Die
Tränen wurden aber durch meine vier netten und lustigen Begleiter und die
abenteuerliche Autofahrt schnell getrocknet. Denn wir machen die Fahrt nicht
mit einem für die etwas schwierigen Straßenverhältnisse angemessenem
Geländewagen, sondern mit einem kleinen Toyota mit leichtem Übergewicht (Okay,
das mit dem kleinen Rucksack, den ich mitnehmen werde, war gelogen). Aber wir
schaffen es nach etwa 6 Stunden, bergauf und flussdurch, zu Rad und ab und an
auch zu Fuß, da wir teilweise tatsächlich zu schwer waren, ausseigen und laufen
mussten.
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| Unwegsame Straßen |
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| Aber wir haben es geschafft! |
Montezuma
ist eine kleine Stadt für Aussteiger mit Hippieflair, kostenlosen Yogastunden
und Bananengeruch. Wir finden ein nettes, günstiges Hostel mit wunderschönem
Meeresblick und lassen den Abend zeitig nach einem Abendessen enden, um am
nächsten Morgen fit zu sein. Am nächsten Vormittag wandern und klettern wir zu
den insgesamt drei Wasserfällen und springen 15 Meter in die Tiefe. Zwischen
Wanderung und Sprung liegen für mich allerdings einige Selbstzweifel, Momente
des Zögerns, begleitet von Gruppenzwang und aufmunternden Zurufen meiner
Begleiter. Und yeah, I did it. Und ich fühle mich danach heldenhaft mutig und
gut. Wir verbringen den letzten gemeinsamen Abend mit Bier am Strand, bevor die
Jungs die Pazifikküste erkunden und ich noch etwas in Montezuma verweile. Und
so bin ich am nächsten Tag das erste Mal seit Beginn meiner Reise allein und
komme somit zum Nachdenken und falle kurzzeitig in ein kleines Panikloch: Die
Zeit rennt mir davon, ich will verlängern, weiß aber nicht, ob ich es mir
leisten kann. Ich zweifle, ob ich nicht gerade meine Zeit vergeude mit
Strandspaziergängen und Feierei. Mein Tief dauert bis zum Nachmittag, dann
treffe ich Carla, „Entscheidungscoach“ aus Deutschland. Wir haben die gleichen
Reisepläne und verbringend chillend, redend, tanzend, trinkend und feiernd
einen weiteren Tag in Montezuma und fahren am nächsten Tag per Fähre und Bus
nach Cahuita an die Karibikküste. Auf wen besseres hätte ich in meiner
Situation treffen können, als eine Spezialistin für Entscheidungen? Danke
nochmals, Costa Rica, dass du so gut auf mich aufpasst und mir stets die
richtigen Leute schickst. Doch in Cahuita ist dann ein Coach gar nicht mehr
vonnöten, denn mein Schicksal nimmt mir abermals die Entscheidung ab. Und so
bleibe ich dort. Bis jetzt…